Pfalzhof

Der Pfalzhof, der auch Breitwieser Hof hieß, gehörte bis 1561 zu den von den Mönchen des  Zisterzienserklosters Eußerthal direkt aus bewirtschafteten Außenhöfen im Nachbereich des Klosters. Wie auch der Vogelstocker, der Bergwieser und der Langenscheider Hof erreichte der Pfalzhof  nie die Stellung einer Grangie, eines selbständigen Wirtschaftshofes des Klosters, wie etwa der Lauberhof bei Kaiserlautern, der Geilweiler Hof bei Siebeldingen oder der Mörlheimer Hof in Mörlheim. Er unterstand immer dem Kloster direkt und soll eine klösterliche Zehntscheune beherbergt haben.

Nach der Aufhebung des Klosters durch Kurpfalz im Jahre 1561 wurde er der Geistlichen Katholischen Güteradministration in Heidelberg unterstellt und der Pflege Eußerthal zugeschlagen, die vom ehemaligen Zisterzienserhof in Mörlheim aus verwaltet wurde. Der Hof für zwei Bauernstellen (Doppelhof) wurde nach 1681 neu errichtet („hauss, hoff, scheur und stallung“) und  in Erbbestand verpachtet. Der „Erbstandshoff auff der Breithen Wiße“  hatte im 17. Jahrhundert eine Größe von 64 Morgen Ackerland, 16 Morgen Wiesen und 1 Morgen Garten. Der Pfalzhof, wie er nun wegen seiner Zugehörigkeit zu Kurpfalz genannt wurde, bildete mit dem südlich gelegenen Stockwieser oder Vogelstocker Hof eine Einheit, war allerdings auf zwei Pachtstellen aufgeteilt.

Im 18. und 19. Jh. sind auf dem Hof Mennoniten nachgewiesen, die moderne landwirtschaftliche Techniken in die Pfalz gebracht hatten und auch den Weinbau in dem Tal einführten. Die Größe des Hofes wurde mit 41 Morgen Ackerland und 16 Morgen Weinbergen angegeben, der Wein konnte im Hof selbst gekeltert und eingelagert werden. Der Hof erwirtschaftete 1773 1254 Gulden Pacht.

In der Französischen Zeit wurde der Pfalzhof 1805 als Nationalgut in zwei Lose aufgeteilt und versteigert. Die Mennonitenfamilie Gingerich kaufte den Südteil des Anwesens, den sie seit der ersten Hälfte des 18. Jh. bewirtschaftete. Der Hof blieb bis zur Mitte des 19. Jh. Versammlungsort dieser Glaubensgemeinschaft.

1832 fiel der Pfalzhof, nun vom Vogelstocker Hof getrennt, an die Gemeinde Dernbach. Die Waldrechte des Besitzers auf dem Pfalzhof im Eußerthaler Wald wurden 1858 von Eußerthal bestätigt.

Der in zwei Höfe aufgeteilte „Pfalzhof“ blieb im 19. und 20. Jahrhundert in Privatbesitz und diente zumeist als landwirtschaftliches Anwesen. 1869-1880 wurde die südliche  Hofhälfte umgebaut und 1995-1998 grundlegend renoviert.
Im nördlichen Hof war zeitweise die Wirtschaft „Zum Pfalzhof“ untergebracht.