Pottasche benötigte man zur Glas- und Seifenproduktion sowie als Bleichmittel sowie als Dünger. Sie wurde hergestellt, indem man zunächst Holz verbrannte, die Holzasche mit Wasser auslaugte, das dann wiederum durch Erhitzen verdampft und konzentriert wurde. Chemisch handelt es sich bei der so hergestellten Pottasche um Kaliumkarbonat.
Der genaue Beginn der Pottaschsiederei in Dernbach ist nicht bekannt. In Löwensteiner Zeit (bis 1793) findet sich nur ein Hinweis aus dem Jahr 1782. Schon hier ging es um Streit mit der Obrigkeit wegen der starken Beanspruchungen des Waldes durch den notwendigen Holzeinschlag. „Es ist nun die Anzeig gesetzt, daß diejenigen Pottaschbrenner ohne Unterschied, sich sich dabey Geraiden-oder Eigenholz bedienen, gestraft werden.“ Je nachdem, ob das Holz aus den Geraiden (gemeint ist die zweite Mittelhaingeraide der Dörfer (Burrweiler,Böchingen, Dernbach, Flemlingen, Gleisweiler, Ramberg, Roschbach und Walsheim) oder aus Gemeindewald stammte, belief sich die Strafe auf 5 bis 10 Gulden. Die Behörden würden das Pottaschsieden am liebsten „ganz ausheben“, aber da sich die Siedereien auch im Geraidewald befinden und auch Holz aus den Geraiden verwendet wird, ist eine Regelung schwierig, da dies ein Eingriff in die Haingeraidegerechtigkeit bedeuten würde.

Allerdings schreibt der Zehntmeister der Mittelhaingeraide, Georg Braun, am 1. Februar 1782 an den Amtmann der Löwensteiner Schattenmann, man möge, da „mehrmalen nächtlicher Weise Holtz zusammen gehauen, stehende Bäume angezündet, liegendes Gehölz zusammengetragen und verbrendt, um die Asche zu erhalten“ bis 100 Reichstaler Strafe androhen, „weil schon gantze Geraide Waldungen durch den Brand in Ruin gesezt worden sind“. Das Verbot soll von den Geraide-Beamten zusammen mit dem Löwensteiner Förster überwacht werden. Dieses Verbot wird allerdings umgangen. Die Forstbeamten reagieren mit nächtlichen Streifungen, bei denen es auch zu Haussuchungen kommt. Der Bürgermeister von Dernbach schreibt an die Löwensteiner Regierung, dass Fälle von Brand noch nicht vorgekommen sind und die Pottaschbrennerei ein wichtiger Nebenerwerb der armen Bevölkerung sei.
Erst mit der Übernahme des Gebietes durch Frankreich (1795) wurde die Pottaschsiederei von den Behörden zumindest geduldet, 1814 wird sie von der „Gemeinsamen Österreichisch und Preußischen Administrations-Kommission“in Kreuznach allerdings wieder verboten, da sie „verderblich für den Wald geworden war“. Zwar sahen die Behörden die Nützlichkeit des Gewerbes durchaus ein, „allein die bei diesem Betriebe eingerissenen Missbräuche übersteigen den Nuzen, und das Wohl des Landes erheischt eine polizeiliche Einschränkung“. Der Wert des in den Gemeinden Dernbach, Ramberg und Gräfenhausen zu Pottasche verbrannten Holzes wird 1814 auf 309 Klafter und 4625 fr. geschätzt. Eine Verordnung zur Einschränkung der Pottaschsiederei tritt im August 1814 in Kraft.
Nach dem Übergang an Bayern 1816 bleibt diese Verordnung in Kraft, auch Bayern versucht das Gewerbe zu reglementieren und vor allem einzuschränken.
„Es ist keineswegs nöthig, daß jeder Einwohner, der um Dünger zu erhalten Pottasche gewinnen will, eine eigene Hütte baue. Zwey oder drey, eine einzige mit eigenen Kosten zu bauende Hütte sind für die Gemeinde wie die Bittsteller hinlänglich, um dieses Geschäft zu betreiben“.
1817 ist erwähnt, dass „ Bürger von Derrenbach und Ramberg sich seit mehreren Jahren dadurch ernährt (haben), dass sie ihren Mitbürgern hiesiger Gegend die Asche, die ihnen entbehrlich war, in geringen Quantitäten abgekauft, zu Pottasche gesotten und dann die ansehnlicher Qualität, den Ausländern verhandelt haben“. Ohne diese Einnahme wären die „viele Einwohner längst verhungert“. Da man keine Hütten mehr bauen soll, bitten die Sieder darum, Pottasche in ihren Wohnungen sieden zu dürfen.
Eine Brandgefahr sieht die Gemeinde dann nicht, sie sei nicht höher als die, die „er in seiner Wohnung ohne Bedenken beim Waschen unternimmt und dabey das Feuer zur Winterzeit zugleich zu seiner Ernährung benutzt“. Vier Anträge werden in 1817 von Dernbachern genehmigt. Die größten Sieder sind die Gebrüder Braun in Dernbach, aber auch aus Eußerthal und Ramberg gehen Anträge ein.
Auch wehrt sich der Gemeinderat von Dernbach gegen den Vorwurf des Holzdiebstahls: „Wenn die Pottaschsieder, welche nach meiner 30jährigen Erfahrung meistens Leute mit starker Familie sind, die Asche in den Dörfern sammeln, und deswegen nicht in den Wäldern Holz sammeln und solches zusammen brennen, um die Asche zu Pottasche zu erhalten, so sehe ich nicht ein, dass die Pottascherei verboten oder auf nur wenige beschränkt werden soll“. Zur Verbrennung kämen nur „Streuholz, Reißer und Hecken“. Dernbach, Eußerthal, Ramberg und Gräfenhausen werden als die Gemeinden genannt, die in größerem Maße Pottasche herstellen.
Da man Holzdiebstahl und das aber weiterhin widerrechtliche Abbrennen von Bäumen fürchtet, will das Bezirksforstamt das Pottaschsieden nur in engen Grenzen zulassen. 1824 regelte dann ein Gesetz das Gewerbe. Fakt ist aber, dass sich die Eingaben durch Forstbehörden wegen „dem willkürlichen Pottschsieden und die damit verbundenen Holzfrevel betreffend“ häufen. Neben dem von den Behörden erlaubten Brennen hat sich offensichtlich eine Schattenwirtschaft entwickelt.
Über die Dernbacher wurde von L. Grünenwald berichtet: „Diese Pottaschsieder sammelten die Holzasche in allen Dörfern ringsum für Geld, heizten ihre Pottaschkessel mit ihrem Holz von den Haingeraiden oder sie fällten auch widerrechtlich nachts manches gutes Stück, wobei ihnen die Waldhüter und der ,Schlosser‘, der lebend oder tot um sein Schloß Scharfeneck umging, manchen Schabernack spielten.“ Grünenwald bestätigt also indirekt den Verdacht der Behörden.
Die Pottaschsiederei in Dernbach wurde dann in drei Fällen genehmigt, aber nur unter Aufsicht des Forstamtes, das die Plätze für den Hüttenbau zuweist und überwacht. In seinem Antrag schreibt Georg Jakob Braun, dass er Pottasche sieden will, „da nur dieses Gewerbe besonders in unseren Gebirgs-Orthen noch das einzige Mittel ist, wodurch die armen Untertanen noch etwas hinzu verdienen vermögen, wie auch durch dessen SV. Auswurf der Ackerbau ungemein verbessert wird“. Beliefert wurden v.a. die elsässischen Glasfabriken. Und der Verkauf der Pottasche soll „Strümpfe von Kronentalern“ eingebracht haben.
1843 versuchen die Forstbehörden wieder, die Pottaschsiederei einzudämmen, „wegen der jahrelangen Unterschleife“ mit den Brennern, aber auch, weil man von widerrechtlichem Holzeinschlag seitens der Pottaschsieder ausgeht. Allerdings werden die Pottaschsiederhütte von August Braun und Georg Haag im Dorf erwähnt. Offensichtlich hat sich das Brennen der Pottasche von im Wald gebauten Hütten auf feste, feuersichere Behausungen verlagert. Die Berufsbezeichnung Pottaschsieder findet sich im Dorf allerdings nicht. Nach 1850 hatte sich die Zahl der Pottaschhütten auf vier erhöht: Zwei standen unterhalb des Schulhauses, eine im Haus des „Sonnenwirts“ und eine vierte soll zum des Haus Walter gehört haben.
1875 gab es nach L. Grünenwald noch zwei Pottaschhütten, die der Familien Matz und Meier: Sie standen östlich des Dorfes uns waren von den Häusern durch Gärten getrennt.
Über sie schreibt Grünenwald:
„Diese Pottaschhütten waren kleine, viereckige Steinhäuser mit einer Stube und Küche und Holzlage darüber. In der Küchenecke stand ein großer, runder Eisenkessel im gemauerten Herde zum Pottaschsieden und ein Kamin stieg von da über das Satteldach empor. In den drei Wänden dem Eingange gegenüber waren kleine Fenster.
Die nötige Holzasche wurde in allen Dörfern weithin gekauft und in Säcken auf Handkarren und Wagen auf den damals noch schlechten Straßen oft mühsam heimgebracht. In der Hütte wurde sie zuerst kalt beigesetzt, d.h. in grauen Weidenkörben, die innen mit Leinwand ausgeschlagen waren und über Laugebütten standen, mit Bachwasser übergossen und durchsickert, bis sie ganz ausgelaugt war.
Die Mutterlauge wurde dann im Herde solange gesotten, bis nur noch die weiße, kostbare Pottasche übrig blieb, die um teuren Preis an Glashütten verkauft wurde.“
Über die Aufgabe der letzten Hütten ist nichts bekannt. Aber gegen Ende des 19. Jh. Jahrhunderts gab es in Dernbach keine Pottaschhütten mehr.
Harzbrennen
Namen von Walddistrikten wie „Harzofenkopf“ und „Harzofenberg“ erinnern heute daran, dass einige Dernbacher früher einmal auch von der Harzsiederei lebten. Aus Baumharz ließ sich Pech, Teer und Terpentin herstellen, Produkte also, die vor allem im Schiffs- und Wagenbau benötigt wurden. Zur Gewinnung des Harzes musste die Rinde von Kiefern und Fichten fischgrätartig angeritzt werden, damit das Harz in ein Auffanggefäß fließen konnte. In Harzöfen wurde dann der Rohstoff destilliert. Der Siegeszug der Steinkohle bereitete jedoch auch diesem Gewerbe ein Ende. Steinkohlenpech und Steinkohlenteer dominierten nun den Markt, weil die Gaswerke und Kokereien massenhaft entsprechende Rückstände produzierten. Ein massiver Preissturz und das Ende auch der Dernbacher Harzöfen in der zweiten Jahrhunderthälfte war die Folge